Rosa Luxemburg

… und ganz speziell „Zur russischen Revolution“

rosa als fensterbild

Geboren wird Rosa Luxemburg am 5. März 1871 in Zamość, im russisch besetzten Polen, als fünftes Kind einer polnisch-jüdischen Familie. In Warschau kann sie das Frauengymnasium besuchen, das eigentlich nur Töchtern russischer Beamter vorbehalten ist. Sie entdeckt die Lust am Schreiben und Reden, lernt mehrere Sprachen perfekt, unter anderem Deutsch und Russisch, und zeigt auch in der Schule ausgezeichnete Leistungen. Noch vor ihrem 18. Geburtstag engagiert sie sich politisch in illegalen linken polnischen Gruppierungen, muss aber kurz nach ihrem Abitur 1889 schließlich vor ihrer Verhaftung in die Schweiz fliehen.

An der Universität Zürich – einer der wenigen Universitäten, zu der Frauen damals Zugang hatten – studiert sie zuerst Naturwissenschaften, später Rechtswissenschaften und Nationalökonomie. Während des Studiums gründet sie zusammen mit dem polnischem Revolutionär Leo Jogiches, zu dem sie eine enge, spannungsreiche Liebesbeziehung hat, und anderen die Partei „Sozialdemokratie des Königreiches Polen“ (SDKP; später „Sozialdemokratie des Königreiches Polen und Litauen“, SDKPiL). Sie erwirbt ihren Doktortitel 1897 zum Thema „Die industrielle Entwicklung Polens“ und zieht ein Jahr später nach Deutschland um. Dabei erlangt sie durch eine Scheinehe die deutsche Staatsbürgerschaft.

In Berlin tritt sie der SPD bei, engagiert sich im Wahlkampf und erregt Aufmerksamkeit auf Parteitagen, internationalen Kongressen und durch Publikationen. Immer wieder warnt sie vor dem Krieg und betont dabei die Notwendigkeit internationaler Aktionen gegen Imperialismus, Militarismus und Kolonialpolitik. Im Revisionismusstreit verteidigt sie die Abschaffung des Kapitalismus und die proletarische Revolution als Ziele der SPD gegen Eduard Bernstein, der eine Abkehr vom Marxismus sowie der Revolution und stattdessen erweiterte Sozialreformen im Rahmen der bestehenden Gesellschaftsordnung fordert.

Von Ende Dezember 1905 bis März 1906 nimmt sie im russisch besetzten Polen an der Revolution teil, wird verhaftet und im Juni 1906 gegen Kaution freigelassen. Aus den Erfahrungen der russischen Revolution 1905–1907 zieht sie in Berlin Schlussfolgerungen für die deutsche Arbeiterklasse, verteidigt den politischen Massenstreik als revolutionäres Kampfmittel und profiliert sich als Führerin der linken Strömung in der deutschen Sozialdemokratie.

1907 entwickelt sie auf dem Internationalen Sozialistenkongress gemeinsam mit Lenin und Martow ein Antikriegsprogramm der internationalen Arbeiterbewegung. Von 1907 bis 1914 arbeitet sie als Lehrerin an der sozialdemokratischen Parteischule in Berlin. Sie hat eine mehrjährige Liebesbeziehung mit Kostja Zetkin, dem Sohn ihrer engen Mitstreiterin Clara Zetkin.

briefmarkeKurz nach Ausbruch des Krieges 1914 gründet sie die Gruppe „Internationale“ innerhalb der SPD, in der sich Kriegsgegner gegen die Aufnahme von Kriegskrediten und gegen die Burgfriedenspolitik der SPD aussprechen. Karl Liebknecht tritt der Gruppe bei und 1916 entsteht daraus der Spartakusbund. 1915 wird Luxemburg wegen Antikriegsreden inhaftiert und erst ein Jahr später entlassen. In dieser Zeit schreibt sie unter dem Pseudonym „Junius“ die berühmt gewordene Junius-Broschüre gegen den tobenden Weltkrieg, die bürgerliche Gesellschaft und die SPD. Kurz nach ihrer Freilassung 1916 wird sie wieder inhaftiert, diesmal für zwei Jahre, an wechselnden Standorten.

Aus dem Gefängnis heraus verfolgt sie die Februar- und Oktoberrevolution in Russland. In „Zur russischen Revolution“ begrüßt sie die Umbrüche, warnt aber gleichzeitig vor einer bolschewistischen Diktatur. In der erst 1922 veröffentlichten Schrift heißt es: „Ohne allgemeine Wahlen, ungehemmte Presse- und Versammlungsfreiheit, freien Meinungskampf erstirbt das Leben in jeder öffentlichen Institution, wird zum Scheinleben…“

Anfang November wird Luxemburg aus der Haft entlassen, engagiert sich sofort in der Novemberrevolution und gibt zusammen mit Karl Liebknecht die „Rote Fahne“ heraus. Zur Jahreswende 1918/19 gründen sie und andere die „Kommunistische Partei Deutschlands“ (KPD). Am 15. Januar 1919 werden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von Offizieren und Soldaten konterrevolutionärer Reichswehreinheiten in Berlin ermordet.

 

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Auf der deutschen Seite der Rosa-Luxemburg-Stiftung gibt es weitere Hinweise zu Rosa Luxemburgs Verständnis vom demokratischen Sozialismus und Antworten auf häufig gestellte Fragen.

 

Rosa Luxemburg lesen

Gesammelte Schriften und Werke von Rosa Luxemburg auf marxists.org (auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch und in vielen anderen Sprachen)

 

Bilder von Rosa Luxemburg auf flickr.com

Zeitleiste zu den historischen Prozessen, die das Werk und Wirken Luxemburgs bestimmten

 

Literatur über Rosa Luxemburg

Schütrumpf, Jörn: „Rosa Luxemburg oder: Der Preis der Freiheit“ [pdf]

rosa-zersetzerArendt, Hanna: Rosa Luxemburg. In: Menschen in finsteren Zeiten.  Piper, München/Zürich 1968.

Ettinger, Elzbieta: Rosa Luxemburg. Ein Leben, J. H. W. Dietz Nachf., Bonn 1990.

Flechtheim, Ossip K. (1986). Rosa Luxemburg zur Einführung. Junius Verlag, Hamburg 1986.

Frölich, Paul: Rosa Luxemburg. Gedanke und Tat, ENI, Paris 1939 (und auch – mit einem Nachwort von Klaus Kinner –: Dietz, Berlin 1990.

Gallo, Max: Rosa Luxemburg. Eine Biographie, Benzinger, Zürich 1993.

Hedeler, Wladislaw, Klaus Kinner, (Hrsg.). Die Wache ist müde. Neue Sichten auf die russische Revolution von 1917 und ihre Wirkungen. Bd. VI, Geschichte des Kommunismus und Linkssozialismus. Karl Dietz Verlag, Berlin 2008.

Kautsky, Karl: Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Leo Jogiches. Ihre Bedeutung für die deutsche Sozialdemokratie. Eine Skizze, Verlagsgenossenschaft »Freiheit«, Berlin 1921.

Kautsky, Luise: Rosa Luxemburg. Ein Gedenkbuch, Berlin 1929 (Nachdruck: ISP, Köln 1997).

Kinner, Klaus; Seidel, Helmut (Hrsg.): Rosa Luxemburg. Historische und aktuelle Dimension ihres theoretischen Werkes, Dietz, Berlin 2001.

Laschitza, Annelies: Im Lebensrausch, trotz alledem. Rosa Luxemburg. Eine Biographie, Aufbau, Berlin 2000.

Mandel, Ernest: Rosa Luxemburg. Leben, Kampf, Tod. ISP, Frankfurt a. M. 1986.

Neusüß, Christel. Die Kopfgeburten der Arbeiterbewegung. Oder: Die Genossin Luxemburg bringt alles durcheinander. Rasch und Röhring, Hamburg 2005.

Quack, Sibylle: Geistig frei und niemandes Knecht. Paul Levi – Rosa Luxemburg. Politische Arbeit und persönliche Beziehung. Mit 50 unveröffentlichten Briefen, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1983.

Seidemann, Maria: Rosa Luxemburg und Leo Jogiches: Die Liebe in den Zeiten der Revolution, Rowohlt, Berlin 1998.

Trotta, Margarethe von: Rosa Luxemburg. Das Buch zum Film, Greno, Nördlingen 1986.

 

Texte in unmittelbarem Zusammenhang mit „Zur russischen Revolution“

    • Luxemburg, Rosa. 1972 [1904]. „Organisationsfragen der russischen Sozialdemokratie.“ In Rosa Luxemburg Gesammelte Werke Bd. 1 1893 bis 1905 Zweiter Halbband, 422-446. Berlin: Dietz Verlag.
    • Luxemburg, Rosa. 2015 [1906]. „Taktik der Revolution.“ In Rosa Luxemburg: Arbeiterrevolution 1905/06. Polnische Texte, hrsg. von Holger Politt, 206-209. Berlin: Karl Dietz Verlag.
    • Luxemburg, Rosa. 2015 [1906], „Blanquismus und Sozialdemokratie“, in: Arbeiterrevolution 1905/06. Polnische Texte, hrsg. von Holger Politt, 214-219. Berlin: Karl Dietz Verlag.
    • Luxemburg, Rosa. 2015 [1908]. „Lehren aus den drei Dumas“, in: Arbeiterrevolution 1905/06. Polnische Texte, hrsg. von Holger Politt, 245-266. Berlin: Karl Dietz Verlag.

 

Texte zum geschichtlichen Umfeld

  • Bock, Helmut (2007). Was tun? Russlands Februarrevolution und Lenins »April-Thesen«, in: Utopie kreativ 198 (April 2007) S. 297-308.
  • Bronner, Steven Eric (2001). Rote Träume an der Jahrtausendwende – Anmerkungen zum Erbe von Rosa Luxemburg, in: Utopie kreativ 123/Januar 2001.
  • Eberlein, Hugo (2005). Erinnerungen an Rosa Luxemburg bei Kriegsausbruch 1914, in Utopie kreativ 174 (April 2005), S. 355-362.
  • Mann, Heinrich (1915). Der Untertan (http://www.gutenberg.org/ebooks/38126) – Wer die Zeit, in der Luxemburg in Deutschland wirkte, verstehen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei…
  • Roth, Winfried (2007). »So können wir nicht länger leben!« Zum 100. Jahrestag der demokratischen Revolution in Russland 1905-1907 / in: Utopie kreativ 206 (Dezember 2007) S. 1128-1137.
  • Sauerzapf, Rudolf (2005). Rosa Luxemburgs Eintreten für die russische Revolution von 1905 bis 1907 / in: Utopie kreativ 177/178 (Juli/August 2005) S. 719-730.
  • Sohn, Manfred (2006): Marx, Luxemburg und die Unentbehrlichkeit des Feminismus. Eine kurze Replik zu Evelin Wittich. In: Utopie kreativ, 189/190 (Juli/August 2006) S. 748-751.
  • Wilde, Florian: Ernst Meyer (1887-1930) – vergessene Führungsfigur des deutschen Kommunismus. Eine politische Biographie. Hamburg 2013 (Auszug zu den Debatten zur Revolution in der Spartakusgruppe).
  • Wilde, Florian: Ernst Meyer. Weggefährte Rosa Luxemburgs in der Weltkriegszeit und sein Kampf um ihr Erbe in der KPD. in: Ito, N. u.a. (2010). Rosa Luxemburg. Ökonomische und historisch-politische Aspekte ihres Werkes. Berlin: Karl Dietz Verlag. S. 181-190.